Historie
Zeige
mir Deine Wohnung und ich weiß, wer Du bist! Immer trifft diese
Erfahrung wohl nicht zu, aber in Johannes Olbertz, der diese Villa 1904
in der Kartäuserstraße erbauen ließ, bestätigt
ihren Wahrheitsgehalt.
Die Villa nahe der Pförtchenbrücke entsprach ganz den beruflichen
Intentionen und persönlichen Wertvorstellungen von Herrn Olbertz.
Er war Herausgeber und Redakteur der Fachzeitschrift „Die Bindekunst
– Erfurter Fachzeitschrift für Blumenbinderei, Blumen- und
Pflanzendekoration“, die seit 1896 jeden Mittwoch aufgelegt wurde.
Das Verlagskontor befand sich in drei Räumen des Souterrains.
Der englische Landhausstil, der Ende des 19.Jahrhunderts auf Deutschland
übergriff, prägte auch die Bauweise der Villenreihe entlang
des Flutgrabens. Für Olbertz errichtete denn auch Baugewerksmeister
Rudolph Walther in diesem Sinne 1904 einen Bau mit Fachwerk und drei
Giebeln sowie hohem Zeltdach. Ländliche Geborgenheit sollte das
Haus vermitteln. Für den Empfang entwarf man einen geschwungenen
Gartenzaun in weiß. Olbertz wird als Fachmann für Formgehölze
die regelmäßige Front von Rotdornbäumen, das kleine
Gartenparadies und die drollige Parade von vier Putten am Seiteneingang
besorgt haben, wovon eine heute am Eingangswege noch zu bestaunen ist.
Olbertz Ehefrau Lina und die 1904 geborene Tochter Lieselotte, die später
den Architekten Hans Benge heiratete, wohnten mit ihren Bediensteten
in der Villa. 1952 verstarb Johannes Olbertz im Alter von 52 Jahren.
Zwei Jahrzehnte später wurde die Villa vom Ehepaar Malluche erworben
und mit großem Aufwand an Kraft, Zeit und Eigenmitteln mit Sensibilität
für die originale Bausubstanz renoviert.
Seit 1991 richteten in diesem nach wie vor ansehnlichen und gepflegten
historischen Ambiente eine Pension und Sauerstoff-Kurstation ein.
Nach dem Dachbodenausbau 1993 und Dachdeckung stehen nun insgesamt sechs
Zimmer in dieser historischen Villa zur Vermietung zur Verfügung.
(gekürzt) aus: Menzel, R. u. E. (1996): „Villen in Erfurt“,
Band 1. Erfurt.